Nach dem Streit muss nicht sofort wieder Nähe entstehen Eben noch Streit. Und jetzt?

Nach dem Streit muss nicht sofort wieder Nähe entstehen

Eben noch Streit. Und jetzt?

Es ging so schnell, dass Sie den Anfang kaum mitbekommen haben. Ein Knurren, ein Schnappen, plötzlich stehen Sie zwischen Aufregung und Sorge. Jetzt liegt ein Hund im Flur, der andere bleibt bei Ihnen. Sie beobachten jede Bewegung und fragen sich: Vertragen sich Hunde nach einem Streit wieder?

Das können sie. Ein Streit bedeutet nicht automatisch, dass zwei Hunde dauerhaft unverträglich sind. Aber ein freundliches Beschnuppern danach ist auch keine Garantie, dass der nächste Konflikt ausbleibt.

Bei Streit unter Hunden kommt es darauf an, was passiert ist, wodurch die Auseinandersetzung entstand und wie beide anschließend miteinander umgehen. Für Konflikte im Mehrhundehaushalt gilt besonders: Eine erzwungene Versöhnung hilft Ihnen nicht weiter. Sie brauchen einen Alltag, in dem beide Hunde sicher fressen, ruhen und einander ausweichen können.

  • Abstand zulassen: Nach einem Streit müssen Hunde nicht sofort wieder zusammenliegen.
  • Den Anlass erkennen: Futter, Liegeplätze, Nähe zu Ihnen oder Aufregung können eine Rolle spielen.
  • Körpersprache im Zusammenhang lesen: Ein Wedeln oder Lecken allein bedeutet nicht „Wir vertragen uns wieder“.
  • Weitere Auseinandersetzungen verhindern: Trennen Sie die Hunde bei Bedarf und entschärfen Sie bekannte Streitsituationen.
  • Wiederholungen ernst nehmen: Bei Verletzungen, zunehmender Aggression oder anhaltender Angst brauchen Sie fachliche Unterstützung.

Wie vertragen sich Hunde nach einem Streit wieder?

Manchmal sieht es unspektakulär aus: Einer geht weg. Der andere bleibt liegen. Später laufen beide durch die Küche, ohne sich zu beachten. Am Abend schlafen sie wieder im selben Zimmer.

Es muss keinen erkennbaren Moment geben, in dem die Hunde „Frieden schließen“. Dass einer zunächst Abstand hält, ist für sich genommen kein schlechtes Zeichen. Entscheidend ist, ob der andere ihn gehen lässt und beide anschließend wieder ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen können.

Schauen Sie deshalb weniger auf die eine Versöhnungsgeste und mehr auf das Zusammenleben danach. Kann jeder seinen Platz aufsuchen? Darf einer aufstehen, ohne dass der andere sofort hinterhergeht? Werden Durchgänge freigehalten? Kann jeder schlafen, ohne den anderen ständig im Blick zu behalten?

Wenn das gelingt, sagt Ihnen das mehr als ein kurzes Schnauzenlecken nach der Auseinandersetzung.

Ein eigener Platz, wenn Ihr Hund seine Ruhe braucht

Auch Hunde, die sich gut verstehen, möchten nicht immer nebeneinander liegen. Mit getrennten Ruheplätzen geben Sie jedem die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Wählen Sie dafür Stellen, an denen die Hunde ungestört liegen können und sich nicht gegenseitig den Weg versperren.

Falls Ihnen ein geeigneter Schlafplatz fehlt, finden Sie im Eddy-Shop Hundebetten in verschiedenen Größen und Ausführungen. Ein zusätzliches Bett kann Rückzug erleichtern; bestehende Konflikte müssen trotzdem geklärt werden.

Was die Forschung über Versöhnung beim Hund zeigt

Freundliche Wiederannäherung nach einem Streit wurde wissenschaftlich beobachtet. Die Ergebnisse fallen allerdings unterschiedlich aus:

  • Eine Untersuchung von 2008 fand Versöhnungsverhalten in drei Hundegruppen. Bei vertrauten Hunden trat es häufiger auf als bei unvertrauten. [1]
  • Ein Vergleich von Hunden und Wölfen aus dem Jahr 2018 zeigte bei den untersuchten Hunden eher Ausweichen nach Konflikten. Bei den Wölfen beobachteten die Forschenden dagegen Versöhnungsverhalten. [2]
  • Eine Hundeparkstudie von 2020 berichtete wiederum von Versöhnungsverhalten bei Hunden. [3]

„Versöhnung“ bezeichnet dabei freundlichen Kontakt zwischen früheren Gegnern, der nach einem Konflikt früher oder häufiger auftritt als bei einer passenden Vergleichsbeobachtung. Ob Hunde sich dabei bewusst entschuldigen oder verzeihen, ist damit nicht beantwortet.

Für Ihren Alltag heißt das: Wiederannäherung ist möglich. Sie lässt sich aber weder verlangen noch an einer einzelnen Geste sicher erkennen.

Ihre Hunde haben sich gestritten: Was tun?

Zunächst müssen Sie unterscheiden: Hat ein Hund kurz geknurrt und der andere ist gegangen? Oder gab es einen Kampf, bei dem die Hunde gebissen haben und sich nicht selbst voneinander lösten? Das verlangt ein unterschiedliches Vorgehen.

Nach einer kurzen Auseinandersetzung

Wenn beide voneinander ablassen, lassen Sie den Abstand zu. Rufen Sie den ausweichenden Hund nicht zurück, damit er dem anderen noch einmal begegnet. Setzen Sie beide auch nicht nebeneinander aufs Sofa, um zu prüfen, ob wieder alles gut ist.

Überlegen Sie stattdessen, was unmittelbar davor passiert ist. Lag ein Kauartikel zwischen ihnen? Wollte einer zum schlafenden Hund ins Bett? Haben beide gleichzeitig versucht, zu Ihnen an die Haustür zu kommen?

Sichern Sie den Auslöser, sobald das gefahrlos möglich ist. Greifen Sie einem noch angespannten Hund dafür nichts aus dem Maul.

Nach einem heftigen Kampf

Halten Sie die Hunde zunächst sicher getrennt. Nach einem ernsthaften Vorfall kann eine geschlossene Tür nötig sein. Ein paar Meter Abstand im selben Raum reichen nicht immer aus.

Greifen Sie bei kämpfenden Hunden nicht zwischen die Köpfe und versuchen Sie nicht, sie an den Halsbändern auseinanderzuziehen. Auch der eigene Hund kann Sie in dieser Situation beißen. Eine vorhandene Tür oder feste Barriere kommt nur infrage, wenn Sie sie ohne Annäherung an die Mäuler einsetzen können. Einen gefahrlosen Universalgriff gibt es nicht.

Bei einem Bissverdacht kontaktieren Sie eine Tierarztpraxis. Unter dem Fell können Verletzungen verborgen bleiben; kleine Öffnungen können tiefer reichende Schäden verdecken. Starke Blutung, Atemnot oder Kollaps erfordern sofortige tierärztliche Hilfe. [4]

Nach einem ernsthaften Kampf sollte die nächste Begegnung fachlich geplant werden. Dass hinter beiden Türen Ruhe herrscht, bedeutet noch nicht, dass die Hunde wieder gefahrlos zusammenkönnen. [5]

Wenn ein Hund dem anderen nach dem Streit aus dem Weg geht

Sie kennen Ihre Hunde vielleicht als Paar, das fast alles gemeinsam macht. Wenn einer plötzlich allein liegen möchte, fällt das auf. Trotzdem müssen Sie diesen Abstand nicht sofort aufheben.

Stellen Sie sich vor, der Streit entstand am Hundebett. Einer geht anschließend in ein anderes Zimmer. Dort kann er zunächst ungestört bleiben. Ihn wieder an denselben Platz neben denselben Hund zu führen, stellt womöglich genau die Situation her, die gerade eskaliert ist.

Rückzug funktioniert allerdings nur, wenn er respektiert wird. Folgt der andere Hund ständig hinterher, versperrt den Ausgang oder bedrängt den Liegenden erneut, müssen Sie die Situation durch räumliche Trennung sichern.

Auch anhaltende Vermeidung verdient Aufmerksamkeit. Ein Hund, der über längere Zeit bestimmte Räume nicht mehr betritt oder nur noch aufsteht, wenn der andere schläft, braucht mehr als die Gelegenheit, sich irgendwann wieder anzunähern.

Entschuldigen sich Hunde durch Lecken?

Ein kurzer Kontakt an der Schnauze kann freundlich aussehen. Vielleicht ist er Teil einer Wiederannäherung. Eine eindeutige Übersetzung als „Es tut mir leid“ gibt es dafür aber nicht.

Dasselbe gilt für Wedeln, Kopfabwenden oder eine niedrige Körperhaltung. Beobachten Sie den ganzen Hund und die Reaktion seines Gegenübers. Ein Hund, der sich nähert, kann dabei weiterhin angespannt sein. Ein anderer möchte vielleicht keinen Kontakt, obwohl er stehen bleibt.

Hilfreicher als eine feste Übersetzung ist die Frage: Was passiert als Nächstes? Werden die Bewegungen lockerer? Gehen beide wieder ihrer Beschäftigung nach? Oder beginnt erneut das Fixieren und Bedrängen?

Streit im Mehrhundehaushalt: Wo entsteht die Konkurrenz?

Wenn Ihre Hunde immer wieder aneinandergeraten, lohnt sich ein genauer Blick auf die Minuten davor. „Die streiten ständig“ beschreibt Ihre Belastung. Für eine Lösung brauchen Sie die konkreten Situationen.

Notieren Sie nach einem Vorfall kurz: Wo waren die Hunde? Was lag dort? Was haben Sie gerade getan? Welcher Hund näherte sich welchem? Konnte einer weggehen?

Daraus ergeben sich häufig brauchbare Ansatzpunkte für den Alltag:

  • Am Futternapf: Füttern Sie räumlich getrennt, wenn Futter Konkurrenz auslöst. Räumen Sie die Näpfe vor dem Zusammenlassen weg.
  • Bei Kauartikeln: Geben Sie begehrte Stücke bei Bedarf hinter geschlossenen Türen. Zwei gleiche Artikel verhindern nicht automatisch, dass ein Hund beide haben möchte.
  • Am Liegeplatz: Verteilen Sie Schlafplätze mit Abstand. Jeder Hund braucht einen Weg dorthin und wieder hinaus.
  • An der Haustür: Entzerren Sie die Begrüßung, wenn beide Hunde dort regelmäßig in hohe Aufregung geraten.
  • Bei Ihnen auf dem Sofa: Erzwingen Sie kein gemeinsames Kuscheln, wenn die Nähe zwischen den Hunden angespannt ist.

Solche Änderungen können weitere Vorfälle verhindern. Bei bestehenden Aggressionsproblemen gehören sie in einen individuellen Plan; sie ersetzen keine fachliche Einschätzung. [5]

„Das müssen die unter sich klären“ kann gefährlich werden

Eine kurze Drohung, auf die der andere Hund mit Weggehen reagiert, ist etwas anderes als ein wiederkehrender Kampf. Lassen Sie ernsthafte Auseinandersetzungen nicht laufen, weil danach angeblich die Rangordnung feststeht.

Der Anlass kann beim nächsten Füttern, beim nächsten Besuch oder am selben Liegeplatz wieder auftauchen. Ein Kampf beseitigt ihn nicht zuverlässig.

Auch das Knurren zu bestrafen löst den Anlass nicht. Sie erfahren dadurch, dass es dem Hund in diesem Moment zu viel wird. Nutzen Sie diese Information, um Abstand zu schaffen und die Situation zu verändern. Anschreien und körperliche Strafen können zusätzliche Angst und Aggression auslösen. [6]

Wann Sie nicht länger abwarten sollten

Holen Sie Unterstützung, wenn Auseinandersetzungen häufiger oder heftiger werden, Verletzungen entstehen oder ein Hund den anderen schon beim Anblick angreift. Ebenso, wenn einer im Alltag erkennbar eingeschränkt ist oder Sie eine sichere Trennung kaum gewährleisten können.

Bei plötzlich verändertem Verhalten gehört eine tierärztliche Untersuchung dazu. Schmerzen und andere körperliche Beschwerden können Aggression begünstigen. Wenn ein bisher verträglicher Hund neuerdings beim Aufstehen oder bei Annäherung an seinen Schlafplatz schnappt, sollten Sie deshalb auch an seine Gesundheit denken. [6]

Geeignete Ansprechpartner sind eine verhaltensmedizinisch qualifizierte Tierarztpraxis und gegebenenfalls eine erfahrene, gewaltfrei arbeitende Trainingsfachkraft. Ihre Notizen helfen bei der Einschätzung. Gefährliche Begegnungen sollten Sie nicht nachstellen, um ein Video aufzunehmen.

Häufige Fragen: Hunde nach einem Streit wieder zusammenführen

Wie lange soll ich Hunde nach einem Streit trennen?

Eine feste Stunden- oder Tageszahl wäre unseriös. Nach einer kurzen Auseinandersetzung kann freiwilliger Abstand genügen. Nach einem ernsthaften Kampf brauchen die Hunde eine sichere Trennung und einen fachlich geplanten Weg zur nächsten Begegnung.

Soll ich beide mit Leckerlis wieder zusammenbringen?

Locken Sie die Hunde nicht mit Futter in unmittelbare Nähe zueinander. Wenn Futter Konkurrenz auslöst, schaffen Sie damit womöglich den nächsten Anlass. Belohnungsbasiertes Training kann sinnvoll sein, braucht aber einen sicheren Abstand und einen passenden Aufbau.

Vergessen Hunde einen Streit?

Gehen Sie nicht davon aus, dass eine Auseinandersetzung folgenlos ist, nur weil danach Ruhe herrscht. Beobachten Sie, ob beide wieder unbefangen miteinander umgehen oder ob einer den anderen weiterhin meidet. Aus dem Verhalten allein lässt sich nicht ablesen, was ein Hund erinnert.

Können Hunde nach einer Beißerei wieder zusammenleben?

Das ist möglich, lässt sich aber nicht pauschal versprechen. Die Schwere der Verletzungen, Auslöser, Vorgeschichte und Ihre Möglichkeiten zur sicheren Trennung müssen berücksichtigt werden. Lassen Sie das weitere Vorgehen individuell beurteilen.

Woran erkenne ich, dass meine Hunde sich wieder vertragen?

Achten Sie auf mehrere Alltagssituationen: Können beide ungestört ruhen, sich frei bewegen und einander ausweichen? Werden Annäherung und Rückzug respektiert? Ein einzelnes Lecken, Wedeln oder gemeinsames Foto auf dem Sofa reicht als Beurteilung nicht aus.

Ihre Hunde müssen nach einem Streit nicht sofort wieder nebeneinander einschlafen. Wichtiger ist, dass beide ihr Zuhause ohne ständige Bedrängung nutzen können. Dort lohnt es sich hinzuschauen – auch dann, wenn der eigentliche Streit nur wenige Sekunden gedauert hat.

Quellen

Die Untersuchungen betreffen unterschiedliche Hundegruppen und Lebensbedingungen. Die Empfehlungen für den Alltag dienen der Sicherheit und Vorbeugung; sie sind kein geprüftes Versöhnungsprogramm.

  1. Cools et al. (2008): Canine Reconciliation and Third-Party-Initiated Postconflict Affiliation. Ethology.
  2. Cafazzo et al. (2018): The effect of domestication on post-conflict management: wolves reconcile while dogs avoid each other. Royal Society Open Science.
  3. Walters et al. (2020): Reconciliation in domestic dogs (Canis familiaris): Evidence for the uncertainty reduction hypothesis. Applied Animal Behaviour Science. Einordnung nach der verfügbaren Verlagszusammenfassung.
  4. VCA Animal Hospitals: Bite Wounds in Dogs.
  5. VCA Animal Hospitals: Aggression – Getting Started – Safety and Management.
  6. Merck Veterinary Manual: Behavior Problems of Dogs.
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