Wenn der Hund am Bein hängt
Ihr Hund reitet auf – und Sie möchten, dass es aufhört
Am Bein des Besuchs, auf dem Sofakissen oder auf dem Hund, der eigentlich nur spielen wollte: Aufreiten beim Hund ist vielen Haltern unangenehm. Richtig ärgerlich wird es, wenn jemand dazu sagt: „Der will nur zeigen, wer der Chef ist.“ Das stimmt so nicht.
Wenn Ihr Hund andere Hunde besteigt, an Menschen rammelt oder auf Kissen aufreitet, steckt dahinter mal sexuelles Interesse, mal Spiel, mal Aufregung oder Anspannung. Manchmal ist es einfach Gewohnheit geworden, selten eine körperliche Beschwerde. Welche Erklärung bei Ihrem Hund passt, sehen Sie an der Situation, in der es passiert.
Wir haben zwei Hunde und lassen das Aufspringen bei ihnen gar nicht erst zu. Sobald einer damit anfängt, gehen wir dazwischen und trennen die beiden kurz. So wird es bei uns nicht zur Gewohnheit. Ob das bei jedem Hund so funktioniert, kann ich nicht sagen, es ist unsere Erfahrung.
Eine Grenze dürfen Sie trotzdem setzen. Ihr Besuch muss das Aufreiten nicht hinnehmen, und ein Hund, der sich wegdreht, erst recht nicht.
- Aufreiten ist nicht immer sexuell. Achten Sie darauf, wann es beginnt.
- Auch Hündinnen und kastrierte Hunde reiten auf. Eine Erkrankung folgt daraus allein nicht.
- Dominanz beweist es nicht. Aus dieser Bewegung lässt sich keine Rangordnung ablesen.
- Wer bedrängt wird, braucht Abstand. Warten Sie nicht auf einen Streit.
- Plötzliche Veränderungen gehören zum Tierarzt. Vor allem bei Lecken, Juckreiz oder Problemen beim Wasserlassen.
Warum rammelt mein Hund? Schauen Sie auf den Moment davor
Bei der Frage „Warum reitet mein Hund auf?“ hilft Ihnen der Ablauf mehr als die Bewegung selbst. War gerade Besuch da? Wurde lange getobt? Oder fängt Ihr Hund an, während Sie ruhig auf dem Sofa sitzen?
Notieren Sie ein paar Tage lang, was vorher passiert, worauf Ihr Hund aufreitet und wie es danach weitergeht. Das kostet kaum Zeit und gibt Ihnen für die Tierarztpraxis oder eine Verhaltensberatung etwas Konkretes in die Hand.
Aufreiten auf anderen Hunden: Spiel oder zu viel Aufregung?
Beim Spielen kommt Aufreiten schon bei Welpen vor. Schauen Sie deshalb auch auf den anderen Hund. Bleibt er freiwillig dabei und kann er sich jederzeit entfernen? Oder wird er immer wieder festgehalten?
Will ein Hund ausweichen und der andere geht sofort hinterher, um erneut aufzureiten, beenden Sie den Kontakt. Dafür müssen Sie nicht abwarten, bis der Bedrängte deutlicher wird.
Der Hund rammelt am Bein: Was passiert bei der Begrüßung?
Beginnt das Aufreiten regelmäßig bei Besuch, sehen Sie sich die ersten Minuten genau an. Klingeln, Stimmen, Bewegung im Flur, Hände am Hund: Da kommt für manche Hunde viel zusammen. Aufregung oder Unsicherheit sind dann naheliegend, auch wenn sich das nicht sicher sagen lässt.
Auch Ihre Reaktion spielt eine Rolle. Wird gelacht, gerufen und ausführlich mit dem Hund geredet, bekommt er jede Menge Aufmerksamkeit. Bei manchen Hunden führt genau das dazu, dass sie es wieder tun.
Der Hund reitet auf Kissen auf: Muss das weg?
Gelegentliches Aufreiten auf einem Gegenstand müssen Sie nicht verbieten, nur weil es für Menschen komisch aussieht. Es kann sich für den Hund schlicht gut anfühlen. Wichtig ist, dass er sich nicht verletzt und das Verhalten nicht seinen Alltag bestimmt.
Wird daraus eine Dauerbeschäftigung, die sich kaum noch unterbrechen lässt, lassen Sie die Ursache abklären.
„Der ist dominant“ bringt Sie nicht weiter
Die Verhaltensmedizin der Universität UC Davis führt Dominanz nur als seltene Erklärung für Aufreiten an. Ihr Hund will also in aller Regel nicht die Führung über Sie übernehmen.
Praktischer ist die Frage nach dem Auslöser. Braucht er eine Pause vom Spiel? Mehr Abstand bei der Begrüßung? Eine vertraute Aufgabe? Das alles können Sie beobachten und ändern. Mit dem Etikett „dominant“ wissen Sie beim nächsten Mal dagegen nicht, was Sie tun sollen.
Aufreiten beim Hund unterbinden: ruhig, früh und mit einer klaren Aufgabe
Für den Moment reicht ein kleines Ziel: Der Hund lässt vom Menschen oder Artgenossen ab. Warum es dazu kam, klären Sie danach.
- Unterbrechen Sie möglichst vor dem Aufreiten. Nehmen Sie ein vertrautes Signal, solange Ihr Hund noch ansprechbar ist. Üben Sie es vorher in leichteren Situationen.
- Schaffen Sie Abstand. Beenden Sie die Begegnung ruhig. Bei Besuch trennen eine Tür oder ein Gitter die Begrüßung räumlich.
- Geben Sie eine bekannte Aufgabe. Zum Beispiel „Sitz“ oder „Auf die Decke“, wenn Ihr Hund das schon kann. Belohnen Sie, sobald er sie ausführt.
- Ändern Sie den Ablauf. Beginnt das Aufreiten immer nach wildem Toben, setzen Sie die Pause früher an. Sonst greifen Sie jedes Mal erst ein, wenn es schon passiert.
Schlagen, Treten und Einschüchtern sind tabu. Knurrt oder schnappt Ihr Hund beim Unterbrechen, versuchen Sie nicht, sich körperlich durchzusetzen. Greifen Sie auch nicht zwischen Hunde, wenn ein Streit droht. Lassen Sie sich für solche Situationen fachlich anleiten.
Beim nächsten Besuch beginnt die Vorbereitung vor dem Klingeln
Ein möglicher Weg: Üben Sie den Ruheplatz zuerst ohne Gäste. Wenn dann Besuch kommt, bleibt Ihr Hund beim Hereinkommen mit ordentlich Abstand hinter dem Gitter. Er ist dabei, steht aber nicht sofort zwischen den Beinen aller Beteiligten. Die Begrüßung folgt später, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat.
Ob das bei Ihrem Hund funktioniert, müssen Sie ausprobieren. Bleibt er hinter dem Gitter stark angespannt, braucht es eine andere Lösung, denn ein Ruheplatz hilft nur, wenn der Hund dort wirklich zur Ruhe kommt.
Aufreiten trotz Kastration: Warum das vorkommt
Bei manchen Rüden wird das Aufreiten nach einer Kastration seltener. Verhalten, das mit Spiel, Aufregung oder Gewohnheit zu tun hat, verschwindet dadurch aber nicht automatisch.
In einer Befragung aus dem Jahr 2023 zu 982 Hunden berichteten die Halter von Aufreiten bei 25 Prozent der unkastrierten und 18 Prozent der kastrierten Rüden. Bei Hündinnen gab es zwischen den beiden Gruppen keinen statistisch signifikanten Unterschied.
Als Erfolgsquote für eine Operation taugen diese Zahlen nicht. Die Studie hat verschiedene Hunde miteinander verglichen und kann nicht belegen, dass die Kastration den Unterschied verursacht hat. Besprechen Sie die vermutete Ursache und die Entscheidung für Ihren Hund deshalb mit Ihrer Tierarztpraxis.
Wann Sie mit Ihrem Hund zum Tierarzt sollten
Reitet ein Hund plötzlich deutlich häufiger auf, schauen Sie auch nach körperlichen Ursachen. Besonders dann, wenn er zusätzlich viel am Genitalbereich leckt, Juckreiz zeigt oder anders als sonst Wasser lässt. Harnwegsprobleme und Hautreizungen können dahinterstecken.
Eine fachliche Einschätzung brauchen Sie auch, wenn sich das Aufreiten kaum unterbrechen lässt und Schlafen, Fressen oder andere Aktivitäten verdrängt. Bringen Sie Ihre Notizen und, wenn möglich, ein kurzes Video mit. Das Verhalten sollten Sie dafür nicht absichtlich herbeiführen.
Häufige Fragen zum Aufreiten beim Hund
Warum reitet meine Hündin auf?
Auch Hündinnen reiten auf, zum Beispiel im Spiel oder bei sexueller Erregung. Ein Hormonproblem ist damit nicht belegt. Entscheidend sind die Situation und mögliche Begleitsymptome.
Muss ich Aufreiten immer unterbinden?
Nein. Gelegentliches Aufreiten auf einem Gegenstand müssen Sie nicht beenden. Greifen Sie ein, wenn Menschen oder andere Hunde bedrängt werden, Verletzungen drohen oder das Verhalten den Alltag beeinträchtigt.
Hört das Aufreiten nach einer Kastration auf?
Versprechen lässt sich das nicht. Bei manchen Rüden hilft eine Kastration, bei anderen bleibt das Aufreiten bestehen. Klären Sie zuerst, in welchen Situationen Ihr Hund es zeigt.
Soll der andere Hund das selbst regeln?
Nein, warten Sie nicht auf einen Streit. Will ein Hund ausweichen und wird immer wieder bestiegen, beenden Sie den Kontakt und sorgen Sie für Abstand.
Quellen
Die praktischen Empfehlungen orientieren sich an tiermedizinischer Verhaltensberatung. Halterbefragungen zeigen Zusammenhänge, sagen aber nichts Sicheres über Ihren einzelnen Hund aus.