Der Napf ist leer.
Wie viel Futter braucht Ihr Hund wirklich?
Sie wiegen die Portion ab, stellen den Napf hin und wenige Minuten später ist er leer. Ihr Hund schaut Sie an, als könnte noch etwas kommen. Also doch zu wenig? Oder hat er einfach gelernt, dass sich dieser Blick gelegentlich lohnt?
Die richtige Futtermenge für Ihren Hund ergibt sich aus seinem Energiebedarf, dem Kaloriengehalt des Futters und dem, was er sonst noch frisst. Dazu gehören auch die Häppchen beim Spaziergang, der Kauartikel am Abend und das Stück Käse, in dem Sie eine Tablette verstecken.
Wenn Sie die Futtermenge beim Hund berechnen möchten, führen zwei Angaben zur Portion: Wie viele Kalorien braucht er ungefähr am Tag? Und wie viele davon stecken in 100 Gramm seines Futters? Daraus lässt sich die Tagesration für Trockenfutter, Nassfutter oder Mischfütterung nachvollziehbar bestimmen.
Die Beispiele unten zeigen jeden Rechenschritt. Eine Tabelle gibt Ihnen Orientierung. Und Sie erfahren, woran Sie im Alltag erkennen, ob die Menge für Ihren Hund tatsächlich passt.
- Die Tagesration umfasst den ganzen Tag: Mahlzeiten, Leckerlis und alle anderen Extras gehören zusammen.
- Jedes Futter liefert unterschiedlich viel Energie: Eine Grammangabe lässt sich nicht ungeprüft auf die nächste Sorte übertragen.
- Ihr Hund entscheidet über die passende Menge: Gewicht und Körperzustand zeigen, ob der berechnete Ausgangswert passt.
Wie viel Futter braucht ein Hund pro Tag?
Ein Hund verbringt den Tag überwiegend ruhig zu Hause. Ein anderer läuft bei der Arbeit viele Kilometer mit. Selbst wenn beide gleich viel wiegen, können ihre Futterportionen unterschiedlich ausfallen. Alter, Kastration, Gesundheit und Körperzustand beeinflussen den Bedarf ebenfalls.
Vielleicht bekommt Ihr Hund seit Monaten eine abgewogene Menge, hält damit sein Gewicht und hat einen passenden Körperzustand. Dann ist diese Beobachtung wertvoller als eine Formel, die plötzlich eine andere Portion ausgibt. Die Rechnung hilft besonders dann, wenn Sie Ihre bisherige Fütterung überprüfen oder auf ein Futter mit anderer Energiedichte umstellen möchten.
Die folgenden Beispiele gelten für gesunde, ausgewachsene Hunde im Idealbereich. Für Welpen, trächtige oder säugende Hündinnen, kranke Hunde und Tiere mit deutlichem Über- oder Untergewicht ist eine individuell abgestimmte Ration erforderlich. Eine Abnehmportion lässt sich daraus nicht einfach ableiten.
Ein passender Napf für die tägliche Mahlzeit
Wenn Sie einen neuen Hundenapf suchen, achten Sie auf eine passende Größe, einen sicheren Stand und eine Form, aus der Ihr Hund gut fressen kann. Hier finden Sie unsere Auswahl.
Futtermenge beim Hund berechnen: In drei Schritten
1. Den Ruheenergiebedarf schätzen
Zunächst schätzen Sie, wie viel Energie der Körper in Ruhe benötigt. Dieser Ruheenergiebedarf wird mit RER abgekürzt. Die gebräuchliche Formel lautet:
RER in kcal pro Tag = 70 × Körpergewicht in kg0,75
Für einen Hund mit 10 Kilogramm ergibt das rund 394 kcal. Im Taschenrechner verwenden Sie dafür die Potenzfunktion: 10 hoch 0,75, anschließend mal 70.
2. Einen passenden Bedarfsfaktor berücksichtigen
Der Tagesbedarf liegt meist über dem Ruheenergiebedarf. Die AAHA nennt unter anderem folgende Faktoren als erste Orientierung:
| Situation | Faktor für den RER |
|---|---|
| Wenig aktiv oder zur Gewichtszunahme neigend | 1,0–1,2 |
| Kastrierter erwachsener Hund | 1,4–1,6 |
| Unkastrierter erwachsener Hund | 1,6–1,8 |
Diese Kategorien überschneiden sich. Ein kastrierter, wenig aktiver Hund bekommt deshalb nicht beide Faktoren; sie werden weder addiert noch miteinander multipliziert. Innerhalb einer Spanne gilt: Ein ruhiger Hund liegt eher am unteren Wert, ein sehr aktiver eher am oberen. Für Sport- und Arbeitshunde kann der Bedarf deutlich höher liegen und muss zur tatsächlichen Belastung passen.
Für unser Rechenbeispiel wählen wir den Faktor 1,6, den oberen Wert für einen kastrierten erwachsenen Hund:
394 kcal × 1,6 ≈ 630 kcal pro Tag.
Dieser Wert ist ein Startpunkt. Der tatsächliche Bedarf kann davon abweichen.
3. Kalorien in eine Futterportion umrechnen
Nehmen Sie jetzt die Futterpackung zur Hand. Gesucht ist die Energieangabe, beispielsweise „380 kcal je 100 g“ oder „3.800 kcal/kg“. Beides beschreibt denselben Energiegehalt. Fehlt die Angabe, fragen Sie den Hersteller; die Prozentwerte für Rohprotein und Rohfett ersetzen sie nicht.
Futtermenge in Gramm = verfügbare kcal für das Hauptfutter ÷ kcal je 100 g × 100
Ein Trockenfutter mit 380 kcal je 100 Gramm ergibt bei 630 kcal Tagesbedarf:
630 ÷ 380 × 100 ≈ 166 Gramm pro Tag.
Bei einem Nassfutter mit 100 kcal je 100 Gramm wären es dagegen 630 Gramm pro Tag. In beiden Fällen ist das die gesamte Tagesmenge vor dem Abzug zusätzlicher Snacks. Bei zwei gleich großen Mahlzeiten teilen Sie die Portion durch zwei.
Futtermenge für Hunde: Tabelle für 5 bis 40 Kilogramm
Die Tabelle verwendet durchgehend 70 × Körpergewicht0,75 × 1,6, also den oberen Wert für kastrierte erwachsene Hunde. Für das Nassfutter sind 100 kcal je 100 Gramm angenommen, für das Trockenfutter 380 kcal je 100 Gramm. Alle Werte sind gerundet.
| Gewicht | Energie pro Tag | Nassfutter | Trockenfutter |
|---|---|---|---|
| 5 kg | 374 kcal | 374 g | 99 g |
| 10 kg | 630 kcal | 630 g | 166 g |
| 15 kg | 854 kcal | 854 g | 225 g |
| 20 kg | 1.059 kcal | 1.059 g | 279 g |
| 25 kg | 1.252 kcal | 1.252 g | 330 g |
| 30 kg | 1.436 kcal | 1.436 g | 378 g |
| 40 kg | 1.781 kcal | 1.781 g | 469 g |
Ist Ihr Hund unkastriert, sehr aktiv oder eher ruhig, liegt sein Bedarf möglicherweise anderswo. Mit dem Faktor 1,4 statt 1,6 fallen alle Mengen um rund 12 Prozent niedriger aus. Hat Ihr Futter außerdem eine andere Energiedichte, passen diese Grammzahlen ebenfalls nicht. Ein 20-Kilogramm-Hund braucht deshalb nicht automatisch 279 Gramm von jedem Trockenfutter.
Nassfutter und Trockenfutter mischen: So rechnen Sie richtig
Wenn Sie beide Futterarten kombinieren, teilen Sie die benötigten Kalorien auf. Halb Nassfutter und halb Trockenfutter bedeutet bei einer Aufteilung nach Energie nicht dieselbe Grammmenge.
Beim 10-Kilogramm-Hund mit 630 kcal Tagesbedarf entfallen bei einer hälftigen Aufteilung jeweils 315 kcal auf beide Futterarten. Mit den Energiegehalten aus unserem Beispiel sind das:
- 315 Gramm Nassfutter mit 100 kcal je 100 Gramm.
- Rund 83 Gramm Trockenfutter mit 380 kcal je 100 Gramm.
Das ist zusammen die Tagesration. Geben Sie nicht von beiden Sorten jeweils die volle Tagesmenge. Frisches Trinkwasser muss unabhängig von der Futterart verfügbar sein.
Leckerlis abziehen: Wie viel bleibt für den Napf?
Ein Häppchen beim Rückruf, mehrere beim Training, später ein Kauartikel: Was einzeln wenig aussieht, kann sich über den Tag summieren. Schreiben Sie einmal alles auf, was Ihr Hund außerhalb seiner Mahlzeiten bekommt. Auch das, was andere Familienmitglieder geben.
Als allgemeine Orientierung sollten höchstens 10 Prozent der täglichen Kalorien aus Leckerlis und anderen Extras stammen. Das ist eine Obergrenze, kein zusätzliches Budget. Bei Erkrankungen oder einer verordneten Diät können andere Vorgaben gelten.
Bei 630 kcal Tagesbedarf wären das maximal 63 kcal für Extras. Werden diese vollständig genutzt, bleiben 567 kcal für das Hauptfutter. Unser Trockenfutter mit 380 kcal je 100 Gramm ergibt dann:
567 ÷ 380 × 100 ≈ 149 Gramm Trockenfutter pro Tag.
Praktisch ist, morgens die Tagesration abzuwiegen und einen Teil geeigneten Futters für Belohnungen zurückzulegen. Diese Stücke sind bereits eingerechnet.
Auch Öl liefert Energie
Zusätzliches Öl gehört ebenfalls in die Rechnung. Verwenden Sie dafür die Energieangabe und Dosiermenge des jeweiligen Produkts. Ein großzügiger Schuss nach Gefühl kann vor allem bei einem kleinen Hund ins Gewicht fallen.
Vitamin- und Mineralstoffzusätze werden durch eine Kalorienrechnung dagegen nicht automatisch richtig dosiert. Mehr davon macht eine Ration nicht ausgewogener. Ob eine Ergänzung nötig ist, hängt von der gesamten Fütterung ab.
Passt die Futtermenge? Prüfen Sie Ihren Hund, nicht nur den Napf
Sie haben gerechnet und wiegen die Portion ab. Jetzt lohnt sich der Blick darauf, was mit dieser Menge über die nächsten Wochen passiert: Bleibt das Gewicht stabil? Ist die Taille noch zu erkennen? Lassen sich die Rippen gut ertasten? Der Body Condition Score, kurz BCS, hilft bei der Einschätzung der Fettreserven. Bei Hunden gilt auf der gebräuchlichen Neunerskala meist der Bereich 4 bis 5 als ideal.
- Rippen ertasten: Sie sollten unter einer dünnen Fettauflage gut fühlbar sein, ohne kräftiges Drücken.
- Von oben schauen: Hinter dem Brustkorb sollte eine Taille erkennbar sein.
- Von der Seite schauen: Die Bauchlinie sollte hinter dem Brustkorb nach oben ansteigen.
Körperbau und Fell beeinflussen den Eindruck. Ob einzelne Rippen sichtbar sind, reicht allein nicht für ein Urteil. Auch die Muskulatur muss berücksichtigt werden: Ein gleichbleibendes Gewicht schließt Muskelverlust nicht aus.
Was tun, wenn Ihr Hund zu- oder abnimmt?
Wiegen Sie Ihren Hund unter möglichst vergleichbaren Bedingungen und notieren Sie die Werte. So erkennen Sie eine Entwicklung besser als beim täglichen Blick auf seine Figur.
Bei einer leichten Gewichtszunahme prüfen Sie zuerst die tatsächlich gefütterte Menge einschließlich aller Extras. Kontrollieren Sie auch, ob sich Bewegung, Futter oder Lebensumstände verändert haben. Anpassungen sollten überschaubar bleiben und anschließend überprüft werden.
Bei deutlichem Übergewicht, unerklärlicher Gewichtsabnahme oder auffälligem Hunger gehört die Ursache tierärztlich abgeklärt. Kürzen Sie bei starkem Übergewicht nicht einfach immer mehr vom gewohnten Futter: Dabei kann auch die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen zu knapp werden. Ein passender Ernährungsplan berücksichtigt beides.
Häufige Fragen zur Futtermenge beim Hund
Wie viel Futter braucht ein 10-Kilogramm-Hund?
Im Rechenbeispiel mit dem Bedarfsfaktor 1,6 sind es rund 630 kcal täglich. Das entspricht etwa 166 Gramm Trockenfutter mit 380 kcal je 100 Gramm oder 630 Gramm Nassfutter mit 100 kcal je 100 Gramm. Snacks müssen davon abgezogen werden; der individuelle Bedarf kann abweichen.
Kann ich die Futtermenge als Prozentsatz des Körpergewichts berechnen?
Eine pauschale Prozentregel berücksichtigt die Energiedichte nicht ausreichend. Für eine nachvollziehbare Portion brauchen Sie den geschätzten Energiebedarf und den Kaloriengehalt der gesamten Ration.
Soll ich meinem Hund mehr geben, wenn er den Napf ausleckt?
Ein leerer Napf oder Betteln zeigt allein nicht, ob die Tagesration zu klein ist. Prüfen Sie Gewicht, Körperzustand und die gesamte Futteraufnahme. Neu auftretender, auffälliger Hunger sollte abgeklärt werden.
Kann ich Nassfutter grammweise durch Trockenfutter ersetzen?
Nein. Rechnen Sie die zu ersetzenden Kalorien in die entsprechende Menge des anderen Futters um. Gleiche Grammzahlen liefern meist sehr unterschiedliche Energiemengen.
Gilt diese Berechnung auch für Welpen?
Nein. Die Beispiele und Tabellen sind für gesunde, ausgewachsene Hunde im Idealbereich gedacht. Welpen benötigen eine zum Wachstum passende Energie- und Nährstoffversorgung.
Für den Anfang brauchen Sie das Gewicht Ihres Hundes, die Kalorienangabe auf der Packung und eine Küchenwaage. Notieren Sie die berechnete Tagesration und berücksichtigen Sie alles, was zwischendurch gefüttert wird. Ob Sie damit richtigliegen, zeigt sich anschließend an Ihrem Hund. Und wenn er nach dem Fressen noch einmal zur Küche schaut, müssen Sie deshalb nicht gleich nachfüllen.
Fachquellen
- AAHA: Formeln und Faktoren zur Berechnung des Energiebedarfs
- AAHA: Fütterungsplanung für gesunde Hunde und Katzen mit angemessenem Gewicht
- AAHA: Vorbeugung von Übergewicht
- WSAVA: Body Condition Score beim Hund
- WSAVA: Ernährungsfragen und Leckerlimengen
- Merck Veterinary Manual: Nährstoff- und Energiebedarf von Kleintieren
- FEDIAF: Europäische Nutritional Guidelines für Hunde- und Katzenfutter
- LMU München, Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik: Studie zum Energiebedarf von Hunden und Katzen (deutsch)