Wenn der Jahreswechsel zur Belastungsprobe wird!
Warum Silvester für Hunde so extrem ist!
Hunde hören deutlich feiner als Menschen. Geräusche, die wir als kurz und laut wahrnehmen, wirken auf Hunde wie ein akustischer Dauerangriff. Feuerwerk bedeutet für sie nicht „Knall“, sondern eine Abfolge von Bedrohungssignalen.
Hinzu kommen:
- hochfrequente Pfeif- und Knallgeräusche
- Vibrationen im Boden
- grelles Licht am Himmel
- stechender Rauchgeruch von Schwarzpulver
Manche Hunde reagieren sofort panisch. Andere speichern die Erfahrung ab. Oft beginnt die Angst in den Folgejahren bereits Tage vor Silvester – beim ersten entfernten Knall oder ungewohnten Geruch.
Warum manche Hunde stärker betroffen sind
Silvesterangst hat unterschiedliche Auslöser:
- fehlende Reizgewöhnung in der Welpenzeit
- negative Einzelerlebnisse (z. B. Knall in unmittelbarer Nähe)
- generelle Geräuschsensibilität
- bereits bestehende Unsicherheiten oder Stressanfälligkeit
Besonders problematisch: Ein Feuerwerk kombiniert mehrere Reize gleichzeitig. Schon einer davon kann reichen, um eine Angstreaktion auszulösen – gemeinsam verstärken sie sich.
Warum Alleinlassen an Silvester keine Option ist
Auch Hunde, die bislang „ruhig geblieben“ sind, können an Silvester erstmals Angst entwickeln. Angst entsteht situativ – nicht planbar.
Ein allein gelassener Hund erlebt:
- keine Orientierung
- keine soziale Sicherheit
- keine Möglichkeit, Hilfe zu suchen
Zusätzlich besteht ein reales Risiko durch Brände oder explodierende Feuerwerkskörper auf Balkonen. Verantwortung heißt hier Klarheit: Ein Hund gehört an Silvester nicht allein nach Hause.
Vorbereitung beginnt am Tag – nicht um Mitternacht
Hunde brauchen Routine, keine Sonderprogramme. Ein möglichst normaler Tagesablauf stabilisiert.
- ruhiger Spaziergang früh am Tag
- kein Freilauf am 31.12.
- bei Angsthunden: Sicherheitsgeschirr statt Halsband
- bei Panikhunden: GPS-Tracker erwägen
Jedes Jahr gehen hunderte Hunde an Silvester verloren. Nicht wegen mangelnder Erziehung – sondern wegen Panik.
So gestalten Sie Ihr Zuhause silvesterfest
- Fenster schließen, Rollläden oder Vorhänge zuziehen
- gleichmäßige Geräuschkulisse (TV oder ruhige Musik)
- fester Rückzugsort mit freiem Zugang
- Kauartikel oder Schleckmatten zum Stressabbau
Wichtig: Der Rückzugsort ist kein Trainingsplatz. Er ist Schutzraum.
Angst ernst nehmen – nicht dramatisieren
Die Annahme, man dürfe Angst nicht „bestätigen“, gilt als überholt. Nähe verstärkt keine Angst. Sie stabilisiert.
Bieten Sie Kontakt an, ohne ihn aufzuzwingen. Bleiben Sie ruhig, vorhersehbar und präsent. Ihr Hund orientiert sich an Ihrer Haltung – nicht an Ihrem Mitleid.
Medikamente: sinnvoll, wenn sie fachlich begleitet werden
Bei echter Panik können Medikamente notwendig sein – ausschließlich nach tierärztlicher Beratung.
Wichtig: Acepromazin gilt heute als ungeeignet. Es blockiert Bewegung, nicht Angst, und erhöht den inneren Stress.
Nicht medikamentöse Unterstützung
- Pheromon-Diffusoren (DAP)
- ThunderShirts
- Ohrenschützer für Hunde
- pflanzliche Präparate (nur nach Rücksprache)
Alles gilt: rechtzeitig testen – nicht erstmals in der Silvesternacht.
Silvester ohne Feuerwerk: eine echte Alternative
Ein Urlaub über Silvester kann für sensible Hunde die beste Lösung sein. Besonders geeignet sind Regionen mit Feuerwerksverbot oder geringer Knalltradition.
- Nordseeinseln wie Spiekeroog, Amrum oder Sylt
- Nationalparks (z. B. Harz, Wattenmeer)
- ländliche Regionen in Frankreich oder der Schweiz
- Dänische Inseln wie Rømø
Auch abgelegene Berghütten oder spezialisierte Hotels bieten ruhige Alternativen – früh buchen lohnt sich.
FAQ: Silvester & Hund
Kann ich meinen Hund an Feuerwerk gewöhnen?
Gezielte Desensibilisierung kann helfen, sollte aber individuell begleitet werden. Pauschale Geräusch-CDs sind oft nicht ausreichend.
Soll ich meinen Hund trösten?
Ja, wenn er Nähe sucht. Sicherheit geben reguliert Angst – sie verstärkt sie nicht.
Wann brauche ich professionelle Hilfe?
Bei Panik, Selbstverletzung, völliger Orientierungslosigkeit oder anhaltender Verschlechterung.