Hundeknigge
Die kleinen Dinge, an denen man gute Hundehalter erkennt
Der Radfahrer kommt von hinten. Vorne erscheint ein Hund an kurzer Leine. Ihr eigener Hund entdeckt gerade etwas ausgesprochen Interessantes im Gebüsch.
Solche Situationen entscheiden oft innerhalb weniger Sekunden darüber, ob ein Spaziergang entspannt weitergeht – oder ob sich jemand ärgert.
Genau darum geht es beim Hundeknigge. Nicht um einen Katalog kleinlicher Vorschriften, sondern um ein paar vernünftige Benimmregeln für Hundehalter: Hundekot entfernen, Abstand halten, den Hund rechtzeitig zurückrufen, die örtliche Leinenpflicht beachten und erkennen, wann andere Menschen oder Hunde einfach ihre Ruhe möchten.
Denn die Verantwortung für einen Hund endet nicht dort, wo seine Leine aufhört.
Der Hund ist fertig. Sie leider noch nicht!
Der Hund setzt sich hin, erledigt sein Geschäft und läuft zufrieden weiter.
Für ihn ist die Sache damit erledigt.
Für uns Hundehalter beginnt jetzt der weniger glamouröse Teil des Spaziergangs.
Hundekot auf Gehwegen, vor Hauseingängen oder auf gemeinsam genutzten Grünflächen ist nicht nur unangenehm. Er liefert auch zuverlässig Stoff für den nächsten Streit über Hunde in der Stadt.
Darum gibt es hier wenig zu diskutieren: Was der eigene Hund hinterlässt, wird beseitigt.
Und der gefüllte Beutel gehört anschließend in einen geeigneten Abfalleimer. Ein verknoteter Plastikbeutel im Gebüsch ist keine Verbesserung gegenüber dem ursprünglichen Problem.
Praktisch ist, Kotbeutel nicht jedes Mal neu suchen zu müssen. Ein kleiner Vorrat an Leine, Tasche oder Jacke erspart die klassische Situation: Hund fertig – Beutel vergessen.
2. „Meiner ist freundlich“ ist noch keine Einladung
Ihr Hund läuft frei. Ihnen kommt ein Hund an der Leine entgegen.
Ihr eigener möchte hin.
Vielleicht ist er tatsächlich ausgesprochen freundlich. Das sagt aber nichts darüber aus, ob der andere Hund Kontakt möchte.
Er könnte Schmerzen haben. Unsicher sein. Schlechte Erfahrungen gemacht haben. Im Training sein. Oder sein Mensch möchte einfach ungestört vorbeigehen.
Deshalb ist die faire Lösung erstaunlich einfach: den eigenen Hund zunächst zu sich holen.
Wenn beide Halter Kontakt möchten, lässt sich das anschließend immer noch klären.
Ein Hund muss nicht jeden Hund kennenlernen, dem er auf einem Spaziergang begegnet.
Auch friedliches Aneinandervorbeigehen ist eine gute Hundebegegnung.
3. Für Sie ist es ein lieber Hund. Für den Jogger zunächst nur ein Hund.
Sie wissen, dass Ihr Hund nicht hinter Fahrrädern herläuft.
Sie wissen, dass er Jogger ignoriert.
Sie wissen vielleicht auch, dass er auf Zuruf sofort zu Ihnen kommt.
Der entgegenkommende Mensch weiß davon nichts.
Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Hund plötzlich vor das Fahrrad läuft oder bellend hinterherkommt, wird bei der nächsten Begegnung vorsichtiger sein.
Darum lohnt es sich, früh zu reagieren: Hund zu sich holen, etwas Platz machen und auf engen Wegen gegebenenfalls kurz anleinen.
Nicht weil Ihr Hund etwas falsch gemacht hat. Sondern weil Sie die Situation lesen können.
Gute Führung zeigt sich oft darin, dass gar nichts passiert.
4. Angst vor Hunden muss man nicht verstehen, um sie zu respektieren
Ein Mensch kommt Ihnen entgegen und macht einen auffällig großen Bogen um Ihren Hund.
Vielleicht bleibt er sogar stehen.
Jetzt hilft es wenig zu erklären, dass Ihr Vierbeiner der friedlichste Hund der Welt sei.
Für den anderen Menschen fühlt sich die Situation trotzdem unangenehm an.
Nehmen Sie Ihren Hund näher zu sich und lassen Sie Platz. Auf einem schmalen Weg reichen manchmal zwei Schritte zur Seite.
Das ist keine Unterwerfung unter eine übertriebene Angst. Es ist schlicht Rücksicht.
Und sie kostet Sie meistens weniger Zeit als die Diskussion darüber, warum niemand Angst vor Ihrem Hund haben müsse.
5. Ein freundlicher Hund darf trotzdem nicht jeden anspringen
Es gibt Hunde, die Menschen einfach großartig finden.
Sie wedeln, kommen näher – und zwei Sekunden später stehen beide Vorderpfoten auf der Jacke des Gegenübers.
Für den Hund mag das Begeisterung sein. Für den anderen Menschen können es zwei schlammige Pfoten auf einer hellen Hose sein.
Bei einem kräftigen Hund kommt noch etwas hinzu: Kinder und ältere Menschen können durch ein Anspringen schnell das Gleichgewicht verlieren.
Deshalb gehört eine ruhige Begrüßung zu den wirklich nützlichen Dingen, die ein Hund im Alltag lernen kann.
Der Hund verliert dadurch nichts von seiner Freundlichkeit. Er lernt nur, sie so zu zeigen, dass beide Seiten etwas davon haben.
6. „Darf ich?“ ist bei fremden Hunden eine ziemlich gute Frage
Ein hübscher Hund zieht Blicke an.
Und manchmal leider auch Hände.
Nicht jeder Hund möchte von einem fremden Menschen über den Kopf gestreichelt werden. Manchen ist es egal, andere fühlen sich dabei unwohl.
Deshalb fragen wir den Halter, bevor wir einen fremden Hund anfassen.
Und wenn er zustimmt, können wir dem Hund trotzdem die Gelegenheit geben, selbst auf uns zuzukommen.
Für Kinder ist das eine besonders wichtige Regel: Erst fragen, dann Kontakt aufnehmen.
Auch Leckerchen werden nicht ungefragt verteilt. Ein fremder Hund kann Allergien haben, krank sein oder gerade lernen, nicht bei jedem Menschen nach Futter zu fragen.
7. Im Restaurant ist ein unauffälliger Hund oft der angenehmste Gast
Der Hund liegt entspannt unter dem Tisch, schaut kurz auf, wenn die Bedienung kommt, und schläft anschließend weiter.
Besser kann ein Restaurantbesuch mit Hund kaum laufen.
Dafür braucht er einen vernünftigen Platz. Nicht mitten im Laufweg, nicht zwischen fremden Füßen und möglichst auch nicht so, dass er bei jedem vorbeigetragenen Teller aufspringen muss.
Wenn ein Hund dagegen dauerhaft bellt, ständig andere Gäste beobachtet oder nicht zur Ruhe findet, ist das nicht nur für das Restaurant anstrengend.
Vielleicht ist die Situation auch für den Hund selbst zu viel.
Verantwortungsvolle Hundehaltung heißt deshalb nicht, den Hund überallhin mitzunehmen. Manchmal ist es die bessere Entscheidung, ihn an einem vertrauten Ort ruhen zu lassen.
8. Freilauf beginnt nicht mit dem Ableinen
Freilauf ist für viele Hunde ein großes Stück Lebensqualität.
Er setzt aber voraus, dass wir unseren Hund einschätzen können.
Kommt er zurück, wenn plötzlich Wild auftaucht? Lässt er sich von einem anderen Hund abrufen? Bleibt er bei Fahrrädern und Menschen kontrollierbar?
Wenn nicht, ist eine Leine keine Niederlage.
Sie ist eine vernünftige Zwischenlösung, bis die Situation zuverlässig funktioniert.
Natürlich gilt außerdem: Wo eine örtliche Leinenpflicht besteht, wird sie eingehalten. Die konkreten Vorschriften unterscheiden sich regional und teilweise auch nach Gebiet und Jahreszeit.
Die interessante Frage lautet deshalb nicht: „Darf mein Hund hier frei laufen?“ Sondern auch: „Kann ich ihm diese Freiheit hier verantwortungsvoll geben?“
Und was ist nun ein „gut erzogener“ Hundehalter?
Vielleicht merkt man ihn gerade daran, dass er nicht ständig auffällt.
Er sieht den Radfahrer früh genug. Ruft seinen Hund zurück, bevor der angeleinte Hund gegenüber nervös wird. Hat einen Kotbeutel dabei. Macht auf einem schmalen Weg Platz. Und fragt, bevor er einen fremden Hund anfasst.
Das klingt nicht besonders spektakulär.
Ist es auch nicht.
Aber genau diese unspektakulären Dinge entscheiden darüber, wie Hunde im Alltag wahrgenommen werden.
Je selbstverständlicher wir Rücksicht nehmen, desto weniger Gründe liefern wir anderen Menschen, sich über Hunde oder ihre Halter zu ärgern.
Ein guter Hundeführer kontrolliert nicht jede Sekunde seinen Hund. Er erkennt die Momente, in denen seine Verantwortung gefragt ist.
Und davon gibt es auf einem ganz normalen Spaziergang erstaunlich viele.
Häufige Fragen zum Hundeknigge
Muss ich meinen Hund zurückrufen, wenn uns ein angeleinter Hund entgegenkommt?
Nicht jede Begegnung begründet automatisch eine gesetzliche Pflicht. Als praktische Regel ist es aber sinnvoll, den eigenen Hund zunächst zu sich zu holen. Warum der andere Hund angeleint ist, wissen Sie nicht. Kontakt lässt sich anschließend immer noch vereinbaren.
Wie verhalte ich mich mit meinem Hund gegenüber Joggern und Radfahrern?
Holen Sie Ihren Hund rechtzeitig zu sich und lassen Sie ausreichend Platz. Auf engen Wegen ist es sinnvoll, ihn kontrolliert auf der vom vorbeikommenden Menschen abgewandten Seite zu führen.
Darf ich einen fremden Hund streicheln?
Fragen Sie vorher den Halter und lassen Sie anschließend auch dem Hund die Möglichkeit, selbst Kontakt aufzunehmen. Ungefragtes Anfassen oder Füttern sollte vermieden werden.
Wo gilt für Hunde Leinenpflicht?
Das ist regional unterschiedlich geregelt. Bundesland, Kommune, Gebiet und teilweise auch Jahreszeit können eine Rolle spielen. Beachten Sie die örtlichen Vorschriften und Beschilderungen.